„Du bist wie deine Mutter….!!“

Der Einfluss der Ursprungsfamilie auf die Beziehung

"Ich könnte ihm an den Hals springen! Ich will nicht wie meine Mutter sein und ich BIN auch nicht so!"
Karin H.

„Du bist wie deine Mutter….!!“ 

Der Einfluss der Ursprungsfamilie auf die Beziehung.

Die Tür knallt ins Schloss. Silke kämpft mit den Tränen. Der letzte Satz, den Hannes ihr noch hingeworfen hat, hallt in ihren Ohren. „Mit dir kann man nicht reden! Du bist wie deine Mutter…!!“

Silke verkrampft innerlich. Sie verabscheut ihr Mutter. Und Hannes weiß nur zu genau, warum.

Die Eltern als erste Beziehungserfahrung

„Du bist wie deine Mutter.“ - ein Satz, den viele von uns kennen und der selten in einem Kontext fällt, wo der andere sich geschmeichelt fühlt. Tatsache ist, dass die eigenen Eltern eine größere Rolle spielen in unserem (Beziehungs-)Leben als uns vielleicht manchmal lieb ist.

Warum? Wir werden als Wesen geboren, die angewiesen sind auf das Gegenüber, die angewiesen sind darauf, dass es Eltern gibt, die es wahrnehmen und sich kümmern. Schon von Beginn an prägt uns also, was wir an Beziehungserfahrung durch unsere Eltern machen und wie sehr ge- und verbunden wir uns (durch sie) auf der Welt fühlen. 

Der deutsche Kinder- und Jugendpsychiater und Psychotherapeut Karl Heinz Brisch forscht zur frühkindlichen Eltern-Kind-Bindung und weist in seiner Literatur immer wieder auf die enorme Bedeutung der frühkindlichen Prägungen auch im erwachsenen Beziehungserleben hin. Auch der Philosoph Martin Buber (1878 – 1965) schreibt „Der Mensch wird am Du zum Ich“ und meint damit, dass wir Menschen als Beziehungswesen angelegt sind und Zeit unseres Lebens auf der Suche nach Beziehungserfahrung sind.

Insofern wundert es nicht, dass das, wie wir Beziehung erlebt und erlernt haben, entscheidenden Einfluss auf unser weiteres Beziehungserleben hat.

Prägende Erfahrungen

Silke hatte eine sehr schwierige Kindheit. Die Mutter war Zeit ihres Lebens depressiv und mit ihren Kindern überfordert. Der Vater flüchtete sich in Arbeit und war wenig präsent. Silke hat die Mutter als entweder zurückgezogen und leidend oder als aggressiv und abweisend erlebt. Die Ehe von Silkes Eltern wurde geschieden, als Silke 14 war.

Laut einer deutschen Studie der Uni Köln steigt das Ehescheidungsrisiko um 51 %, wenn man als Kind die Ehescheidung seiner Eltern miterlebt hat. 

Heißt das nun, dass ich als Kind geschiedener Eltern und mit einer schwierigen Kindheit, keine Chance auf eine glückliche Beziehung habe? NEIN! NATÜRLICH NICHT! Denn die gute Nachricht ist, dass das, was wir erlebt haben uns zwar prägen kann, aber nicht muss! Je mehr wir uns dessen bewusst werden, welche Beziehungsmuster uns als Kind geprägt haben und je mehr es uns gelingt, uns von dem, was wir für uns als negativ erleben, zu lösen, umso eher wird es uns gelingen erfüllende Beziehungserfahrung zu machen.

Trotzdem glücklich werden

In der Logotherapie gehen wir davon aus, dass es an uns liegt, Verantwortung zu übernehmen für unser eigenes Leben.  Als erwachsene Kinder unserer Eltern liegt es an uns zu erkennen, dass die allermeisten Eltern aus ihrem damaligen Erleben heraus das getan haben, was ihnen möglich war und in der Regel nicht aus böser Absicht uns Kindern das Leben schwer gemacht haben. Wenn es gelingt, Frieden zu schließen, mit dem, was unsere Eltern für uns waren und sind, kann es gelingen, die Einflüsse der Elternbeziehung auf die eigene Beziehung hintanzuhalten. 

Was bedeutet dies für Silke und Hannes? Silke hat im Paargespräch verstanden, warum dieser Satz sie so sehr trifft und Hannes hat erkannt, warum er Silke mit dieser Aussage so sehr verletzt. Beide Erkenntnisse haben dazu geführt, dass es beiden in der Konfliktsituation möglich war, achtsamer miteinander umzugehen. Beide haben für sich verstanden, dass das Hereinholen der Elternbeziehung ihrer eigenen Beziehung schadet und dem Konflikt eine Dimension hinzufügt, die er nicht zu haben braucht.

In der Regel entschärfen sich Konfliktsituationen, wenn es dem Paar gelingt, die Herkunftsfamilien aussen vor zu lassen. Sätze wie „Deine Mama hat immer schon….“ und „Dein Vater ist die ganze Zeit…“ blasen Konflikte unnötig auf. Sie fügen den eigenen Emotionen dem Partner gegenüber auch noch jene den Eltern gegenüber hinzu. Das tut selten gut und ist in den wenigsten Fällen hilfreich. Im Paargespräch lernen die beiden zu kommunizieren OHNE die eigenen Eltern mit hineinzunehmen. 

So gelingt Beziehung OHNE Einflüsse der Ursprungsfamilien:

Stelle dir folgende Fragen:

- Wofür bist du deinen Eltern dankbar? 

- Worin möchtest du dich von deinen Eltern abgrenzen?

- Was schätzt du an deinen Schwiegereltern?

- Welche Eigenschaften an deinen Schwiegereltern findest du schwierig?

Je mehr Klarheit du darüber erlangst, welche Haltung du zu deinen Eltern und Schwiegereltern hast, umso leichter wird es gelingen, sie in Konfliktsituationen außen vor zu lassen.

Im Idealfall gelingt es euch als Paar euch darüber auszutauschen, welchen Einfluss eure jeweilige Elternbeziehung auf eure eigene Partnerschaft hat. Und damit Sätze wie „Du bist wie deine Mutter….“ der Vergangenheit angehören zu lassen.

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